Die Art und Weise wie der legale Privatwaffenbesitz in Deutschland bekämpft wird, sagt viel über viele Waffengegner aus: Es wird mit Diskriminierung gearbeitet („Waffennarren“, „Waffenfetischismus“), Grundrechte werden faktisch geschmälert (anlassloses Betreten der Wohnung zur Aufbewahrungskontrolle), DDR-Schikanen werden versucht wieder zu beleben (keine Waffen und/oder Munition in Privathaushalten) und Millionen von Familien geraten ganz schnell unter den Generalverdacht, ein Sicherheitsrisiko darzustellen (weil jemand Jäger, Schütze oder Sammler ist). Geltendes Recht führt entweder zu Unsicherheit (Welche Absagegründe gibt es bei einer Kontrolle? Welcher Zweck für das Führen eines Messers ist sozialadäquat? etc.) oder wird von mancher Behörde sehr großzügig interpretiert (so sollen z.B. Schießsportvereine vermeintlich inaktive Schützen nennen oder Aufbewahrungskontrollen werden für Waffenkontrollen genutzt). Ein Trick der Waffengegner, den wir im Folgenden Salamitaktik nennen wollen, ist aber deshalb so gefährlich, weil Legalwaffenbesitzer dazu neigen, darauf hereinzufallen oder ihn selbst einzusetzen, um Legalwaffenrechte abseits der eigenen Partikularinteressen zu schmälern.
Nur ganz wenige Waffengegner fordern radikal das Verbot von privaten Legalwaffen. Sie wissen genau, dass es dazu erstens keine Rechtsgrundlage gibt, zweitens in diesem Fall jedes Schusswaffendelikt einen Beweis gegen die Wirksamkeit ihrer Ideen darstellen würde (und die Totalentwaffnung bringt belegbar keinen Sicherheitsgewinn - das wissen sehr viele von denen) und drittens die Verantwortlichen mit einer massiven Flut von Beschwerden, Klagen und Protestformen überzogen würden, die ihr politisches Überleben in Frage stellen würde. Solche Positionen können sich u.a. Leute leisten, die entweder nicht auf Wähler oder Unterstützer angewiesen sind, die mit ihrer Meinung ohnehin ausgegrenzt sind oder die so fanatisch sind, dass ihnen Sachlichkeit, Realitätssinn und negative Konsequenzen gleichgültig sind.
Gefährlicher sind diejenigen Waffengegner, die den Legalwaffenbesitzern mit einer Politik der kleinen Schritte das Leben schwer und schwerer machen. Wie bei einer Salami wird eine Scheibe nach der anderen vom Recht auf privaten Legalwaffebesitz abgeschnitten.
Man wird nicht Legalwaffenbesitzer, weil man Waffen besitzen möchte, sondern, weil man damit jagen oder Sport treiben oder eine kulturhistorisch bedeutsame Sammlung anlegen möchte. Sowohl die Jagd, als auch der Breitensport oder die Bewahrung von Kultur ist übrigens nicht nur für den Einzelnen, sondern auch gesellschaftlich betrachtet wertvoll. Wenn aber immer neue und neue gesetzliche Regelungen oder behördliche Verfahren diese drei Aktivitäten mehr und mehr einschränken und erschweren, so dass in vielerlei Hinsicht die Jagd oder der Sport oder die Sammlung selbst inhaltlich beeinträchtigt wird, stellen sich viele Legalwaffenbesitzer irgendwann die Sinnfrage und sind gewillt, ihre Jagd, ihren Sport oder ihre Sammlung aufzugeben.
Ein paar Beispiele: Es ist anzunehmen, dass biometrische Sicherheitssystem ungeachtet des Zweifels an ihrem Nutzen von der Politik durchgesetzt werden- wahrscheinlich noch 2010 und mit einer Übergangsfrist innerhalb der bestehende Sicherungssysteme ausgetauscht werden müssen. Im schlimmsten Fall bedeutet das, dass jede einzelne Waffe so für zwischen 100 und 200 Euro gesichert werden muss. Hinzu kommen möglicherweise Kosten für eine anlasslose (und ggf. auch ergebnislose) und unerwünschte Aufbewahrungskontrolle oder gar Waffensteuern (die Idee ist noch nicht tot und könnte ebenfalls mit jeweils 100 oder 150 Euro zu Buche schlagen). Und wenn alle paar Jahre plötzlich diese Lauflänge, jene Schaftform oder diese Geschossform verboten wird, ohne dass Altbesitz legal bleibt, stellt das schlicht eine Enteignung dar. Weiters enthält das Waffengesetz eine Vielzahl von absurden und ideologiegetriebenen Bestimmungen, die Jagd, Sport und Sammlung bzw. dazugehörige Dienstleistungen erschweren: z.B. das Verbot von Schalldämpfern (Gehörschutz für den Schützen und Lärmreduktion für seine Umwelt), von Lasern als Zielhilfe (z.B. während einer gefährlichen Nachsuche bei schlechter Sicht), von Nachtsehoptik (z.B. zur sicheren nächtlichen Schwarzwildjagd), von bestimmten Lauflängen oder von Magazinen bei jagdlich genutzten Selbstladewaffen mit mehr als zwei Schuss Kapazität. Und so eine Smartgun, wie sie Anschütz propagiert, wo man ein Plastikarmband zur Aktivierung tragen muss und Hunde und Treiber markiert, in deren Richtung man nicht schießen kann, die macht aus der Jagd nach Meinung einiger Jäger so eine Art Videospiel. Es gibt aber keinen einzigen Beweis dafür, dass die Wilderei bzw. die Gewaltkriminalität von Jägern, Sammlern oder Schützen durch die Lockerung eines dieser bestehenden Verbote irgendwie beeinflusst würde.
Das Besondere an der Salamitaktik ist, dass die Restriktionen zwar immer weiter verschärft werden, aber niemals dadurch unsinnig gewordene Einschränkungen aufgegeben werden. So würde bei biometrischen Systemen an jeder Waffe niemals auf die Aufbewahrung in einem Waffenschrank oder die Trennung von Waffen und Munition verzichtet werden, obschon dies ja eigentlich unsinnig ist, wenn mit der Waffe ohnehin niemand mehr schießen kann. Genau so wenig dürften Smartguns bildlich gesprochen an die Wohnzimmerwand gehängt werden, obwohl mit ihnen doch wirklich überhaupt gar kein Missbrauch betrieben werden kann. Lassen Sie es mich extrem formulieren: Wenn es stimmen würde, dass waffenindividuelle biometrische Sicherungssysteme und Smartguns mit Aktivierungsmechanismus Waffen wirkungsvoll vor Missbrauch sichern, würde es doch keinen Grund mehr für ein Führverbot dieser Waffen geben, oder? Und die zertifizierten Schränke wären auch überflüssig, oder?
Man müsste annehmen, dass Befürworter des legalen Privatwaffenbesitzes sich vehement gegen jede einzelne Restriktion wenden, auch wenn sie diese (noch) nicht betrifft und umgedreht jede Liberalisierung begrüßen. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil.
Zum einen lassen viele Jäger viele Restriktionen für Schützen oder Sammler erstaunlich kalt – und umgekehrt. Der Glaube, es gehe der eigenen Gruppe irgendwie besser, wenn es die anderen noch mehr erwischt ist sehr kurzsichtig. Erstens wird es sicher irgendwann auch wieder den Missbrauch einer Jagdwaffe geben und dann sind mit der gleichen Logik der Konzentration auf das Tatmittel Waffe die Jäger dran wie zuvor die Sportschützen. Und zweitens stellt jeder Schritt in Richtung gesellschaftlicher und gesetzlicher Ächtung des Waffenbesitzes einen Schritt in Richtung Totalverbot dar. Wem das heute undenkbar erscheint, der mag sich daran erinnern, wie noch vor 10 Jahren in Büros, auch während Sitzungen, in Flugzeug und Eisenbahn und in Gaststätten und eigentlich überall geraucht wurde. Dies ist heute nicht nur verboten, sondern es ist auch Konsens, dass es verboten sein soll.
Weiters denken innerhalb dieser Gruppen auch wieder zu viele nur an ihre augenblickliche Situation: Der Kleinkaliberschütze will ohnehin keine 9 mm Waffe. Der Ordonnanzgewehrschütze will ohnehin kein IPSC- oder Cowboy Action Shooting betreiben. Der Luftgewehr- oder Bogenschütze will ohnehin keine erwerbscheinpflichtige Schusswaffe. Der Sportschütze braucht kein Einhandmesser und keine lange Klinge. Der Sammler will vielleicht keinen Munitionserwerbsschein. Der Gelegenheitsjäger ohne Schwarzwildschäden will ohnehin nicht nachts schießen. Der jagdliche Traditionalist lehnt selbstverständlich Selbstlader ab. Der Jäger ohne Nachsuchehund und ohne Fallen will ohnehin keine Kurzwaffe. Der Sonntagsjäger braucht nicht mehr als zwei Langwaffen. Der Biathlet kennt schon nichts anderes als Smartguns mehr und warum soll es die nicht auch für die Jagd geben etc. Für den einen Legalwaffenbesitzer sind 100 Euro mehr pro Waffe gar kein Problem, für den anderen ist Angeln eine gleichwertige Alternative. Und und und. Es geht den Befürwortern von waffenrechtlichen Restriktionen aber niemals nur um Teilaspekte des Waffenbesitzes, sondern allen Verboten ist immer die grundlegende Annahme (mehr ist es nicht) zu eigen, dass Waffenbesitz grundsätzlich gefährlich und deshalb einzuschränken - und langfristig zu beseitigen ist.
Und das Durchhaltevermögen der Legalwaffenbesitzer in Punkto Protest ist auch nicht gerade stark ausgeprägt. Erstens gibt es immer noch viel, viel zu wenig Mitgliedschaften in Waffenrechtsorganisationen wie VdW, Pro Legal, Fördervereinigung legaler Waffenbesitz oder Forum Waffenrecht – obwohl die Mitgliedschaft in einem Landesjagdverband oder einem Schießsportverein - so sinnvoll sie auch ist - nichts, aber auch gar nichts mit der Verteidigung des Rechtes auf Legalwaffenbesitz zu tun hat. Und die 12 Euro für eine Jahresmitgliedschaft kann sich wohl auch jeder Legalwaffenbesitzer leisten. Zweitens ist die Wut erst einmal verraucht, wird zu oft auch gerne „vergeben und vergessen“ und Hersteller oder Politiker oder Medien müssen deshalb lediglich „den Helm eine Weile enger schnallen“, brauchen aber keine anhaltende Kritik oder gar Protest zu fürchten, obwohl sie ihr Tun nicht ändern, sondern häufig genug fortsetzen. Und drittens „ist/kommt ja alles gar nicht so schlimm“ bzw. „regelt das schon der Verein/der Jagdschutzverband etc.“.
Und dann ist da noch die viel zu oft lethargische Industrie. Der Protest der Messerindustrie gegen die Gesetzesnovelle mit dem Führverbot war mehr als verhalten und es hat sehr lange gedauert, bis die vielen martialischen Tactical-Messer alltagstauglich verändert wurden. Ein Wohlfühl-Gespräch mit dem Minister - vielleicht auch nur mit einem Landesminister - oder im schlimmsten Fall mit einem Staatssekretär - und dann weiß man, dass es "ja gar nicht so streng ausgelegt werden wird". Schade, dass einem solche "Beruhigungspille" bei einer polizeilichen Kontrolle gar nichts hilft. Und solche Traditionsunternehmen wie Anschütz treiben auf einmal die Idee der Smartgun voran und schaffen damit ob gewollt oder nicht und uneinsichtig gegenüber dem massiven Protest von Legalwaffenbesitzen einen weiteren Baustein für die Voraussetzung zum endgültigen Verzicht auf einen ungegängelten Jagdwaffeneinsatz. Die Hersteller klassischer Jagdwaffen fühlen sich oft entweder nicht betroffen oder verfügen über Auslandsmärkte bzw. einen Law Enforcement-Markt zur Risikodiversifikation. Und die Unternehmen, die durch Unterstützung von Pro Legal oder anderen Waffenrechtsorganisationen sind nicht unbedingt die größten der Branche. Obwohl sich im Internet erfreulich viele Blogs und Netzwerke der „Waffenszene“ etabliert haben, sind die Waffen-/Jagdfachmedien immer noch dazu aufgerufen, sich gegen Fehlentwicklungen zu wenden. Beim Beispiel Anschütz gab es trotz der Ungereimtheiten der Unternehmensposition (man habe – ausgerechnet auf einer Sportveranstaltung – mit der halboffiziellen Broschüre der jagdlichen Smartgun nur eine Diskussion anregen wollen …) aber aus dieser Richtung (mit Ausnahme der „Visier“) viel zu wenig Kritik.
Gegen die Salami-Taktik der Waffengegner ist deshalb nur ein Kraut gewachsen: Deutschland hat eines der schärfsten Waffengesetze der Welt. Gesetze können keine Straftaten verhindern. Deshalb darf es keine Toleranz gegenüber irgendwelchen weiteren Restriktionen geben – unabhängig davon, ob man selbst gegenwärtig betroffen ist oder nicht. Der Angriff auf einen Teil der Legalwaffenbesitzer muss als Angriff auf den Legalwaffenbesitz insgesamt mit dem Ziel seiner endgültigen Abschaffung verstanden und entsprechend abgewehrt werden. Die Mitgliedschaft in einer Waffenrechtsorganisation zusätzlich zur Vereins- bzw. Hegeringmitgliedschaft muss als Mindestleistung zur Aufrechterhaltung des legalen Waffenbesitzes verstanden und von jedem Einzelnen gefordert werden, wobei zusätzlich auch das Eintreten jedes einzelnen Vereines für die Rechte seiner Mitglieder eingefordert werden muss. Sport und Geselligkeit sind heute viel, viel zu wenig.
Verweise
Warum ich (vorerst?) keine Anschützwaffen mehr kaufen werde
Getrennt marschieren, vereint für legalen Waffenbesitz
Klagt nicht, schreibt. Medienarbeit von Jägern und Schützen
VdW gegen Unklarheit bei Waffenrechtsanwendung
Da sitze ich doch vorgestern abends in einer größeren Gruppe von Jägern. Angeregte Gespräche, weniger über Waffen, mehr über Schwarzwild etc. Aber irgendwann kommt doch einer auf das Thema waffenrechtliche Restriktionen. Schlüsselerlebnis 1: Etwas kennt sich jeder aus, man ist sich der Problematik Waffengegnerschaft deutlich bewußter als vor 2 Jahren. Schlüsselerlebnis 2: Einer ist dabei - genau wie oben genannt - der sagt "Ich hab ja nur zwei Langwaffen - das reicht auch. Ich versteh' Eure Aufregung nicht." Dann reden wir Mal darüber, was und wie oft er so jagt und vielleicht auch noch auf dem Schießstand ist. Ergebnis: Flinte nie. Falle nie. Drückjagd nie. Reise nie. Rehwild und Schwarzwild, 2-3 Mal im Jahr Ansitz, aber auch nur, wenn ihn jemand einlädt. Nachsuche auch nicht, weil "das macht dann der Beständer". Das war's. Tscha. Kann er ja so machen. Aber - sagen wir Mal so - jemand der das Ganze auch nur etwas ambitionierter betreibt, wird sich in diesen Worten nicht wiederfinden, nicht?
AntwortenLöschenÜbrigens: Laut Wild und Hund hat sich der Deutsche Jagdschutzverband kritisch gegenüber dem Anschütz-Armatix-Konzept der jagdlichen Smartgun geäußert. Schön, dass WuH das so deutlich berichtet.
Sie schreiben mir - wie immer - aus dem Herzen.
AntwortenLöschenTangiert mich nicht = interessiert mich nicht, war einmal.
Jede Restriktion ist eine Salamischeibe, die die Wurst kleiner macht und die von ALLEN verhindert werden muss.
Aktuell gibt es Bestrebungen der EU, das Waffenrecht für Exporte zu verschärfen. Natürlich betrifft dies gleichzeitig die Importe.
Während nun die Politiker frohlocken, den illegalen Handel zu behindern, trifft es - wie beim deutschen Waffengesetz - natürlich nur die legalen Im- und Exporteure, jedoch nicht den illegalen Handel mit Kriegswaffen.
Und die allmächtige Waffenlobby? Kann nichts machen. Das Gesetz bezieht sich ja nicht verbotene Rüstungsgüter oder Kriegswaffen wie U-Boote, Panzer und Vollautomaten, an denen eine einzelne Firma Milliarden verdient und deren Exporte von volkswirtschaftlichen Nutzen sind, und dementsprechend mit Spenden an den richtigen Stellen geschmiert werden.
Nein, es geht um den Versand von Federal Munition oder Marlin-Waffen nach Deutschland und Blaser/Sauer/Krieghoff-Waffen in die USA. Da verdient keiner Milliarden. Das ist, weil viele kleine und mittlere Betriebe Exportanträge stellen, die keiner übersehen kann, nicht von volkswirtschaftlichen Nutzen. Das kann verzögert werden, mit Auflagen und Gebühren belastet werden, oder gleich abgelehnt werden.
Ein schönes Alibi-Gesetz, dass Jäger, Sportschützen und Waffenhändler einschränkt und vor der UNO als Verhinderung der Profilateration verkauft wird, ohne ein einziges Menschenleben in den Krisengebieten zu schützen.
Aber weil der Gesetzestext so umständlich ist, schreibt ein WO-User: tangiert mich nicht, also interessiert mich nicht.
Doch wo ist das Ende der Restriktionsschraube?
Beim Import von .308 Win. oder 9mm Luger Munition? Die wird ja auch militärisch genutzt.
Beim Import von Zielfernrohren?
Zielhilfen braucht auch das Militär.
Beim Import von Wiederladepressen?
Damit kann man ja Munition herstellen, die vom Militär benutzt werden.
Es gibt kein Ende der Schraube. Sie wird solange angezogen, bis sie verkrümmelt ist.
Ich finde es schlichtweg eine Frechheit, dass Sportschützen einen Nachweis über die Aufrechterhaltung des Bedürfnisses zu erbringen haben und regelmässig am Schießbetrieb teilnehmen müssen, bei Jägern aber reicht es einen Jahresjagdschein zu lösen, um das Bedürfnis aufrecht zu erhalten.
AntwortenLöschenWarum wird hier so massiv zwischen Jagd und Sportschießen in der Gesetzgebeung unterschieden?
Ich denke, das kann man durchaus begründen, aber ich persönlich halte eine solche Nachweisführung in dem einen UND dem anderen Fall für abwegig. Zudem finde ich, wir sollten uns nicht auseinanderdividieren lassen und die Aufgabe der einen Bestimmung fordern und nicht eine zusätzliche Bestimmung für "die anderen". Das geht nämlich in die Richtung Partikularinteresse.
AntwortenLöschenIm Einzelnen: Ich halte einen Nachweis über eine 18-malige Teilnahme am Schießtraining bei Sportschützen für abwegig, weil man einen Sport auch seltener ausüben kann und dennoch Sportler bleibt, ggf. sogar ein "guter" Breitensportler ist, und Sportgerät benötigt. Ich war in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen gewiß nicht 18 Mal Angeln (auch wenn ich gerne so oft gegangen wäre) und bin und bleibe dennoch Angler. Warum sollte man mir mein mühsam und teuer erworbenes Angelgerät jetzt abnehmen? Die Häufigkeit des Angelns sagt ja nichts über die Qualität aus, mit der ich es ausübe. Also sind auch 12 oder 18 oder xy Schießtrainings nicht grundsätzlich Gradmesser für die Feststellung eines Bedürfnisses, sondern schlicht schikanös!
Allerdings ist beim Sportschießen das Training eher Selbstzweck, als bei der Jagd, bei der es ja nicht um das Schießen an sich geht, sondern wo die Waffe nur ein im Übrigen gesetzlich vorgeschriebenes Mittel zur Jagdausübung ist (Bogenjagd und Fallenjagd für alles Wild gibt es z.B. nicht, hingegen sind in den vielen Fällen für die geforderten Waffen selbst Mündungsenergie, Magazinkapazität, Geschoßmaterial o.ä. vorgeschrieben - man ist also hier nicht sehr frei in der Wahl).
Bei der Jagd ist es so, dass ich mit Flinte und Büchse jagen kann (und im Sinne der Pflicht zur Hege auch muss!) und die Kurzwaffe ggf. für Nachsuche/Fallenjagd brauche. So sinnlos wie die Forderung 18 ist es in meinen Augen einen permanenten Schießnachweis von Jägern zu verlangen. Angenommen, jemand jagt nur Schwarzwild, weil er eben dazu (aus dem bekanntem Anlaß Wildschaden) häufiger eingeladen wird - und zwar auf die Ansitzjagd. Warum sollte der dann einen Flintenschießnachweis oder einen Drückjagdschießnachweis erbringen, um mit seinem Repetierer weiter in der Dämmerung zu sitzen und aufgelegt mit Zielfernrohr zu schießen? Und was wollte man jetzt von diesem Jäger abverlangen? Nachweis über 18 Mal Schießtraining? Reicht 16 Mal Training nicht aus, um einen jagdlich vertretbaren Schuß zu machen? Oder 10 Mal? Das kann doch nur individuell beantwortet werden. Soll man einen Nachweis über 18 Mal Jagdausübung verlangen - die ja nicht immer zum Schuß führt? Schwer machbar.
Wenn der Jäger aus dem Beispiel aber jetzt zur Drückjagd gehen will, läßt ihn der Bundesforst wo er hin will und sehr oft inzwischen auch der private Pächter oder Eigenjagdbesitzer ohnehin einen Nachweis über ein Drückjagdtraining erbringen.
Schließlich sind die jagdlichen Anforderungen variabler als die einer Sportordnung. Mal angenommen ich fange primär mit einer Totfangfalle (wie z.B. einem "Schwanenhals" den Fuchs) und jeder Fang läuft glatt, dann schieße ich mit dieser Kurzwaffe im Jahr 1 gar nicht. Im Jahr 2 stelle ich vielleicht eine Lebendfangfalle auf, weil ich an der Stelle, wo ich fangen möchte keine Totfangfalle stellen kann, dann brauche ich die kleinkalibrige Kurzwaffe, wenn dort ein jagdbares Wild drin ist. Aber wenn ein Wild in meiner Totfangfalle nicht richtig verendet wäre, was allerdings selten vorkommt, dann hätte ich bereits in Jahr 1 die Kurzwaffe gebraucht, ja ich mußte sie bereits in Jahr 1 dabei haben, weil ich gefangenes, jagdbares Wild so schnell wie möglich töten muß. Das waren nur ein paar Beispiele dafür, dass wir angesichts der Komplexität der Jagd nicht mit 18 Mal oder 12 Mal oder 99 Mal Schießtraining weiter kommen.
@ Rudolf,
AntwortenLöschenmir geht es nict darum, ob es eine Trennung zwischen den Gruppen gibt oder ob die Regelung bei Sportschützen sinnvoll und richtig, oder nicht. Mir geht es um die Gleichbehandlung!
Wir sind alle Waffenebesitzer. Die einen werden aber vom Gesetz her, gefühlt weniger transaliert, als die anderen.
Hinzu kommt, dass diese ominöse Zahl von 18 in keinem Gesetz auftaucht. Sie wurde im Zuge des vorauseilenden Gehorsams der Verbände (Schießsportverbände wohlgemerkt) in die Sportordnungen aufgenommen. Die Verwaltungsvorschrift zu diesem Thema ist nie verabschiedet worden.
Es geht mir einzig um die Gleichbehandlung aller Schützen, ungeachtet der Coleur.
Ja, einverstanden, aber das Vorgehen, dass ich für richtig hielte ist (sehr ähnlich dem des Verfassers von "Salamitaktik") die Forderung nach Abschaffung der einen Restriktion und nicht das Aufstellen von Rechnungen "Warum darf XY das und wir nicht?" etc. das führt nämlich in der Regel dazu, dass XY das auch nicht mehr darf (getreu dem Motto "Niemals eine Restriktion zurücknehmen"). Und ich denke, die "schlechtere Behandlung" ist wirklich nur gefühlt. Wenn ich selbst (Sportschütze und Jäger übrigens) an das Thema neues Jagdrecht denke und diese Vielzahl von haarklein definierten Bestimmungen (zB Kormoranverordnung NRW), von plötzlichen Spontanverboten (zB Rübenfütterung NRW) und von ideologisch motivierten Totalabschaffungen (zB Fangjagd im Saarland) und vor allem an die dahinter stehende Meinung Jagd wäre (wie Waffen) per se schlecht, klingt das nicht nach Besserstellung o.ä. Besten Dank jedenfalls für diese Diskussion, das würden wir uns häufiger wünschen.
AntwortenLöschenWie gesagt, mir geht es um die Gleichbehandlung, nicht mehr und nicht weniger.
AntwortenLöschenIch kenne ich mit dem Jagdrecht selber nicht aus, da ich selber kein Jäger bin.
Ich kenne aber einige Jäger. Einige davon gehen regelmäßig schießen, in einem Verein, andere wieder gar nicht. Nur wenn sie zu einer Jagd eingeladen wurden, da sie selber keine Pacht bzw. kein eigenes Revier mehr haben.
Das das Bedürfnisprinzip an sich ein Fehlschlag ist, steht wohl ausser Frage. Oder zumindest in der Forum, wie es in Deutschland praktiziert wird.
Aber das ist wohl ein anderes Thema.
Divide et impera! - Teile und Herrsche!
AntwortenLöschenAuf diesem Prinzip beruht doch die kollektive Schwäche der Betroffenen des Waffenrechts.
Im Prinzip kann man ja sowohl für Österreich als auch für Deutschland sagen daß es zwar den Jägern relativ zu den Sportschützen "immer etwas besser" geht - aber letztendlich alle Verschärfungen lediglich doch mit etwas zeitlicher Verzögerung auch bei den Jägern angekommen.
So wird es wohl auch mit dem Bedürfnisnachweis laufen. Noch genügt das Lösen der Jagdkarte... Aber früher oder später ist dann eben doch nachzuweisen daß man die Jagd auch aktiv ausübt.
Und wieder Divide et Impera! Die tatsächlich die Jagd Ausübenden werden selbstredend immer eine Mehrheit darstellen gegenüber Jenen die aufgrund anderweitiger Verpflichtugnen zeitlich begrenzt oder altersbedingt dem Waidwerk nicht nachgehen können oder wollen.
Auch wenn Sportschützen und Jäger sehr verschiedene Menschen sind - sollten wir doch erkennen daß Einigkeit und Solidarität uns Alle stärkt!
es sollten auch alle küchenmesser verboten werden, es gab schon mehr messeropfer als erschossene.
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